Digitale Qualitätsphilosophie

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, „digital“ ist hier nicht im Sinn von „schwarz oder weiß“ zu verstehen, eher im Gegenteil. Es begab sich im März des Jahres 2001, da kaufte ich mir meine erste Digitalkamera, einen Canon G1. Die Kamera hatte zum damaligen Zeitpunkt üppige 3 Megapixel und damals wie heute gehört(e) die G-Serie eigentlich zu Canons besten Kompakt-Digitalkameras. Dementsprechend leistete mir die Kamera lange Jahre treue Dienste, bis sie mir im Urlaub im Juli 2007 verlustig ging und ich war „im Rahmen der Meßgenauigkeit“ mit den Bildern aus der Kamera soweit immer zufrieden.

Nolens volens habe ich sie dann kurze Zeit später durch eine Canon A630 ersetzt, die immerhin schon 8 Megapixel hat und die auch heute noch gerne benutze – trotz der zwischenzeitlichen Anschaffung einer Canon EOS 1D Mark II mit ebenfalls 8 Megapixeln. Nun habe ich mir aber in letzter Zeit aus verschiedenen Gründen das Archiv meiner Bilder aus der G1 nach längerer Zeit nochmal näher angesehen und bin dabei fast erschrocken: Die 3 Megapixel sind auch subjektiv deutlich weniger als 8MP, feinere Details versinken dabei gnadenlos im Pixelsumpf. Auch Kontrastumfang und (violettes) Sensor-Blooming sind bei den alten G1-Bildern massiv schlechter als bei den aktuellen A630- oder 1D-Bildern.

Diese Erkenntnis hat mich dann aber im zweiten Gedankenschritt auch nachdenklich gemacht: Als ich noch mit der G1 fotografiert habe, fand ich die Bilder zumindest in Ordnung und finde sie jetzt, da ich neuere Kameras habe, schlimm. Auch die Bilder, die meine aktuellen Kameras liefern, finde ich heute gut. Aber wie werde ich das sehen, wenn ich mir irgendwann eine neuere Kamera kaufe, zum Beispiel eine EOS 1D Mk4 oder auch „nur“ eine G11? Werde ich dann die Bilder von heute auch qualitativ schrecklich finden? Was werde ich dann über die Bilder aus der G1 denken?

Und wie sieht das ganze sozusagen im globalen Maßstab aus? Werden zukünftige Kameras es auf Dauer schaffen, qualitativ bessere Bilder als ihre Vorgängermodelle zu liefern? Oder wird es irgendwann eine Art Sättigung geben? Das führt dann über kurz oder lang auch zu der Frage, wie man Bildqualität denn definiert beziehungsweise empfindet. Ist es schiere Auflösung? Wohl kaum. Ist es die Abwesenheit von Bildrauschen? Sicherlich ein wichtiger Aspekt. Ist der Kontrastumfang des Sensors? Ebenfalls wichtig. Die Wahrheit liegt wohl in einer Kombination aus diesen und eventuell weiteren Faktoren, wobei die aber wahrscheinlich jeder für sich individuell anders gewichtet. In diesem Dilemma stecken letztendlich auch die Kamerahersteller, die versuchen müssen, mit ihren Produkten diesen Wünschen möglichst gut gerecht zu werden.

Alles in allem also doch ein recht komplexes Thema, daß sich so aus einer Alltagsbeobachtung ergeben kann. Fakt ist dabei aber vermutlich nur eins: Die Zukunft wird viele Veränderungen bereithalten – wie die aussehen, ob zum Guten oder zum Schlechten, bleibt abzuwarten und läßt die Sache spannend bleiben. :)

2 Kommentare auf “Digitale Qualitätsphilosophie

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