Lenkradsperre

Ein weiterer Fehler, den der TÜV-Prüfer an der G-Klasse gefunden hatte, gehört für mich definitiv in die Kategorie „exotisch”: Wenn sich das Zündschloss in der 0-Position befand, der Zündschlüssel aber noch steckte, rastete die Lenkradsperre ein. Das darf laut TÜV-Prüfer nicht sein, die Lenkradsperre darf erst bei abgezogenem Zündschlüssel einrasten. Also musste auch dieses Problem angegangen werden.

Nachdem Innenraum vom Einbau der neuen Leuchtweitenregulierung ohnehin noch zerpflückt war, musste zumindest im Vorfeld nichts weiter demontiert werden. Ansonsten wäre auch hier wieder das volle Programm mit Lenkraddemontage etc. fällig geworden.

Zündschloss mit Lenkradsperre im eingebauten Zustand

Der Ausbau des Lenkradschlosses ist bei Hans Hehl eigentlich ganz gut beschrieben. Was dort allerdings nicht so klar ‘rüber kommt: zumindest beim W463 (dort ist es an einem W460 gezeiget) ist die Luftführung zur Windschutzscheibe insbesondere dem Anschlussstecker für den Zündschalter massiv im Weg – und um die zu entfernen, müsste das Armaturenbrett ein gutes Stück zerlegt werden.

Der Luftkanal (rechts) ist beim Ausbau dem Lenkradschloss im Weg.

Zum Glück geht es mit ein wenig Fummelei auch weniger aufwendig: Zunächst muss man im eingebauten Zustand den Stecker des Zündschalters abziehen – bzw. eher abhebeln, denn der sitzt sehr fest. (Wenn man, so wie ich, vorher die Batterie nicht abgeklemmt hat, sollte man zum Abhebeln aber tunlichst ein nichtleitendes Werkzeug aus Kunststoff, Holz o.ä. verwenden, um keine Kurzschlüsse zu provozieren.) Auch den Stecker am Schalter für den Lichtsummer muss man vorher abziehen. Danach dann die Verriegelung des Lenkradschlosses an der Lenksäule (kleiner Pin auf der Rückseite) gelöst werden. Wenn man jetzt das Lenkradschloss so verdreht, dass sich das Zündschloss nach unten bewegt und die Einheit gleichzeitig aus der Lenksäule zieht, kann man das Lenkradschloss mit ein bisschen Drücken und Kippeln gerade so eben komplett herausziehen.

Verdrehtes und schon etwas herausgezogenes Lenkradschloss

Danach kann’s dann auf der Werkbank weitergehen. Auch wie man den Schließzylinder aus dem Zündschloss bzw. der Lenkradsperre ausbaut, ist bei Hans Hehl beschrieben, daher spare ich mir das hier.

Lenkradschloss/Zündschloss mit ausgebautem Schließzylinder

Der Schließzylinder hat auf seiner „Unterseite” ein gelb chromatiertes Teil, das sich beim Drehen des Zündschlüssel mitdreht. Die beiden Stifte außen betätigen dabei den Zündschalter und das Zurückziehen des Sperrbolzens der Lenkradsperre. In der Mitte schaut dagegen die Spitze des Schlüsselbarts heraus. Dieser drückt auf einen kleinen Keil im Lenkradschloss, der verhindert, dass beim Zurückdrehen des Zündschlüssels auf „0″ der Sperrbolzen einrückt. Erst, wenn der Zündschlüssel abgezogen wird (im Soll-Zustand ;-) ), gibt die Schlüsselbartspitze den kleinen Keil und der wiederum den Sperrbolzen frei.

Schließzylinder für das Zündschloss

Ein Blick in das Lenkradschloss-Modul nach dem Ausbau des Schließzylinders offenbarte dann das eigentliche Problem: Über die Jahre hatten die Zündschlüssel regelrecht eine Kerbe in den oben genannten kleinen Keil gegraben (siehe den blauen Pfeil auf dem folgenden Bild):

Deutlicher Verschleiss in der Lenkradsperrenmechanik

Dadurch hat der Keil bei eingestecktem Schlüssel zu viel Spiel und das Lenkradschloss konnte auch bei gestecktem Zündschlüssel einrasten. Übrigen wohlgemerkt nur in Zündschlossstellung „0″! Die Verriegelungsmechanik ist zum Glück so konstruiert, dass bei laufendem Motor, also mit dem Zündschloss in Stellung „1″ (oder beim Starten auch Stellung „2″) die Lenkradsperre trotzdem nicht einrasten kann. Da half dann leider nur noch ein neues Lenkradschloss-Modul (Teilenummer „A001 462 02 30″, €217,72 bei meinem Freundlichen).

Zum Vergleich: Keil im neuen Lenkradschloss

Nachdem das besorgt war, musste nur noch der Schalter für den Lichtsummer vom alten auf das neue Lenkradschloss transferiert werden und danach alles wieder zusammengebaut werden.

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