Über die Pleite von Märklin

Christian hat sich gestern einige Gedanken über die Pleitewelle gemacht, die derzeit durch Deutschland rollt. Dabei teilt er insolvente bzw. insolvenzgefährdete Unternehmen – meiner Meinung nach etwas willkürlich und nicht wirklich unterscheidbar – in zwei Kategorien ein: Zum einen verknöcherte, traditionsbehaftete Firmen, die aktuelle Entwicklungen verschlafen haben und zum anderen Unternehmen, die seiner Meinung nach einfach pauschal nicht marktfähig sind. Märklin, mit ihrem zweiten Insolvenzantrag innerhalb von drei Jahren, sortiert er dabei in die zweite Kategorie ein.

Mag sein, daß ich als (ehemaliger) Modelleisenbahner etwas voreingenommen bin, aber ich denke, daß man Märklin nicht unbedingt eindeutig in eine der beiden Kategorien stecken kann. Fakt ist aber, daß Märklin ein Gespür für den Markt etwas verloren haben muß. Wirft man einen Blick in den hauseigenen Webshop, stellt man schnell fest, daß die dort aufgerufenen Preise recht sportlich sind – höflich formuliert. Das H0-Modell einer „normalen“ Lokomotive bekommt man kaum unter 300,- €, für einen Personenwaggon werden mindestens 50,- €, gerne aber auch mal knapp 100,- € fällig.

Ein kleines Rechenbeispiel (Preise stand heute) soll das verdeutlichen: Angenommen, ich möchte auf meiner Modelleisenbahnanlage die Zuggarnitur nachstellen, mit der ich morgens zur Arbeit fahre. Das wäre dann eine Lokomotive der Baureihe 143 für 279,95 € und drei Doppelstock-Personenwagen: je einmal zweite Klasse (54,95 €), erste und zweite Klasse (54,95 €) und Steuerwagen (89,95 €). Macht in Summe 479,80 € oder in Richtigem Geld938,41 DM. Und das ist weder eine besonders ausgefallene Zuggarnitur, noch ist in diesem Preis auch nur ein einziger Zentimeter Gleis, ein Transformator oder sonst irgendwelches Zubehör enthalten. Wer außer Zahnwälten soll sich das leisten können?

Andererseits ist Märklin im Modellbahnsektor mit Insolvenzproblemen nicht alleine: Im Jahr 2006 schrammte Kibri, ein Hersteller von Modellbahnzubehör haarfscharf an der Pleite vorbei. Aber auch hier muß man sich Vorwürfe über die Produktpolitik gefallen lassen: Im Sektor der H0-Fahrzeugbausätze, wo Kibri vor zehn, fünfzehn Jahren furiose Pionierarbeit mit ausgefallenen und hochwertigen Modellen geleistet hatte, wurden in den letzten Jahren kaum noch Formneuheiten geboten, hauptsächlich wurden alte Modelle in immer neuen Farben aufgewärmt. Außerdem kriselt es bei Herpa, ebenfalls ein Hersteller von Modellbahnautos.

2 Antworten zu “Über die Pleite von Märklin”

  1. christian sagt:

    Ja lieg ich denn wirklich so falsch mit meiner „Nicht-mehr-Marktfähigkeit“, wenn selbst mit einer, nennen wir es zurückhaltend, „Liebhaber“-Preispolitik nicht mehr genug verdient werden kann? Der Markt in dieser Preisregion dürfte doch sehr dünn sein und Märklin nicht alleine… dann lässt mich das unken, dass aus dem ehemaligen Massen-Spielzeug Modelleisenbahn einfach die Luft raus ist.
    Eine Umfrage auf der Straße würde bestimmt zeigen, dass der Besitz von Playstation/Xbox die Modelleisenbahn bei den Kids und Jugendlichen um Faktor 20 übertrifft. Und die paar, die bei der Modelleisenbahn „hängengeblieben“ sind, dürften sich aufgrund der exorbitanten Preise auch weiter ausdünnen.
    30 Jahre alte Geschäftsmodelle sind halt nur bedingt in die Gegenwart übernehmbar… auch wenn es einem um die Traditionsunternehmen leid tut. Aber als Spielkonsolenhersteller hätte ich Märklin auch nicht sehen wollen…

  2. Sebastian sagt:

    Dann sind wir uns ja doch einig: Bei Märklin scheint es ein bißchen was von beidem zu sein. :)

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